25. Newsletter Dezember 2024

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Newsletter April 2025 - Nr. 26

Liebe Mitglieder der Lymphödem Vereinigung Schweiz
Liebe Interessierte

Wir hoffen, ihr hattet schöne und erholsame Ostertage und seid mit frischer Energie in den Frühling gestartet.

In dieser Newsletter-Ausgabe möchten wir euch rund um das Thema „die Lymphe“ informieren und euch einen berührenden Erfahrungsbericht über ein eher seltenes Gesichtslymphödem nach überstandener Krebstherapie mitgeben.

Zudem stellen wir euch den Lymphanlass vom 1. November 2025 vor – mit einem spannenden Programm, das sich ganz dem Thema Lymphödem widmet. Seit der Gründung unseres Vereins im Jahr 2016 ist dies der erste grosse Anlass für Betroffene, Fachpersonen, Angehörige und alle, die sich für das Thema interessieren – alle sind herzlich willkommen!

Zum Schluss möchten wir euch noch zwei Bücher empfehlen: Eines zur Selbstmassage der Lymphe und ein Fachbuch zum Thema Faszien und Faszientherapie.

Wir hoffen, dieser Newsletter ist für euch informativ und hilfreich – und wünschen euch eine schöne Frühlingszeit.

Herzliche Grüsse
Eure Lymphödem Vereinigung Schweiz


Die Lymphe – Wasser des Lebens

Die Lymphe Symbolbild

Für viele von uns, die mit einem Lymphödem leben, ist die Frage nach der Lymphe und ihrer Produktion täglich präsent:

Wie geht es unserem Körper, wenn die Lymphe nicht richtig abfliesst?
Was passiert, wenn das Lymphsystem überlastet ist?
Wie können wir unser Lymphsystem bestmöglich unterstützen, um Symptome zu lindern?

Diese Fragen beschäftigen nicht nur Betroffene, sondern auch Fachpersonen in Therapie und Forschung.

In diesem Artikel greifen wir diese Fragen auf und wollen gemeinsam die Grundlagen der Lymphe und ihres Systems besser verstehen – damit wir nicht nur Symptome behandeln, sondern auch die Ursachen dahinter erkennen.

Was ist eigentlich Lymphe – und woraus besteht sie?

Die Lymphe ist eine klare, manchmal leicht milchige Flüssigkeit, die im Körper eine ganz besondere Aufgabe hat: Sie hilft dabei, Abfallstoffe, Krankheitserreger und überschüssige Flüssigkeit aus dem Gewebe abzutransportieren – wie ein inneres Reinigungssystem.

Die Lymphe besteht aus:

Wasser (Anteil: ca. 95%)
Das ist der Hauptbestandteil der Lymphe. Es stammt aus der Flüssigkeit, die aus den Blutgefässen ins Gewebe austritt. Dieses Wasser wird vom Lymphsystem „aufgesaugt“, damit es nicht im Gewebe bleibt und zu Schwellungen führt.

Eiweisse (Proteine) (Anteil: ca. 3-4%)
Anders als das Blutgefässsystem kann das Lymphsystem grössere Eiweisse aus dem Gewebe abtransportieren. Wenn das nicht richtig funktioniert, sammeln sich Eiweisse im Gewebe – das ist typisch beim Lymphödem.

Abfallstoffe und Zellreste (Anteil: ca. ~ 1%)
Zellen geben Stoffwechselprodukte ab, die der Körper nicht mehr braucht. Die Lymphe nimmt sie auf und bringt sie zurück in den Blutkreislauf, wo sie über Leber und Niere ausgeschieden werden.

Fette (v.a. aus dem Darm) (Anteil: je nach Region unterschiedlich, im Chylus deutlich mehr)
Besonders nach dem Essen enthält die Lymphe im Bauchraum (Chylus genannt) auch Fettteilchen, die aus dem Dünndarm stammen. Diese werden über die Lymphe ins Blut transportiert.

Abwehrzellen (Lymphozyten) (Anteil: ca. ~ 1%)
Die Lymphe enthält weisse Blutkörperchen, die unser Immunsystem stärken. Sie helfen, Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren zu bekämpfen.

Infobox: Wieviel Lymphe produziert ein gesunder Mensch?
Ein gesunder Mensch produziert täglich etwa 2 bis 4 Liter Lymphe. Diese wird über das Lymphsystem abtransportiert und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Flüssigkeitshaushalts.

Ein gesundes Lymphsystem ist ein entscheidender Schlüssel für ein starkes Immunsystem und unser direktes Wohlbefinden. Während meiner Recherche zum Thema „Lymphe“ ist mir aufgefallen, dass viele Therapeuten mit grosser Leidenschaft Ratgeber zur Gesundheit des Lymphsystems verfasst haben. In diesen Büchern finden sich zahlreiche hilfreiche Tipps – und überraschenderweise oft sogar eigene Kapitel speziell für Lymphödem-Betroffene, etwa zur Behandlung oder zur Selbstmassage.

Die Lymphe wird dabei oft als „Wasser des Lebens“ oder als Quelle von Vitalität und Verjüngung beschrieben. Die Empfehlungen drehen sich häufig um Selbstmassagen zur Lymphaktivierung, eine entzündungshemmende Ernährung (die wir bereits bei einem unserer Lymphstammtische thematisiert haben), regelmässige Bewegung und gutes Selbstmanagement.

All diese Aspekte spiegeln die fünf Säulen der KPE (Komplexe Physikalische Entstauungstherapie) wider – sie ziehen sich wie ein roter Faden durch viele der Ratgeber und gelten als bewährter Standard zur Unterstützung und Gesunderhaltung des Lymphsystems.

Denn eines ist klar: Ein gestärktes Lymphsystem kann sich positiv auf ein bestehendes Lymphödem auswirken – das ist unbestritten.

Infobox: Ausreichend trinken für ein gesundes Lymphsystem
Es ist ein Irrglaube, dass weniger Flüssigkeit das Lymphödem verbessern könnte. Im Gegenteil: Zu wenig Wasser oder Flüssigkeit belastet das Lymphsystem zusätzlich. Um den Lymphfluss zu unterstützen, ist es wichtig, über den Tag hinweg ausreichend zu trinken – idealerweise Wasser oder andere gesunde Flüssigkeiten. Achten Sie darauf, genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen, um das Lymphsystem optimal zu unterstützen.

Was die Lymphe belastet (Überproduktion der Lymphe)

Als Betroffene mit einem Lymphödem wissen wir: Unser Lymphsystem ist entweder von Geburt an geschwächt oder wurde durch äussere Einwirkungen – wie etwa bei einer Krebserkrankung – beschädigt. Die Folge ist eine Stauung von Lymphe im Gewebe, die das gesamte Lymphsystem belastet und sich direkt auf unsere Lebensqualität auswirkt.

Ein überlastetes Lymphsystem bei einem Lymphödem lässt sich gut mit einer Autobahn vergleichen:

Kommt es zu einem Stau oder einer Blockade, stockt der Verkehr – also der Lymphfluss. Gibt es aber Seitenstrassen (sogenannte Anastomosen), können die Autos – sprich die Lymphe – ausweichen. Durch gezielte Bewegung, Atemtechniken oder Lymphdrainage lässt sich genau diese Umleitung aktivieren und unterstützen.

Diese Massnahmen sind uns Betroffenen meist bekannt – doch stellten sich unsere Mitglieder die Frage, warum es überhaupt zu dieser Überproduktion der Lymphe kommt. Diese Frage wurde beim letzten Mitgliedertreffen aufgeworfen, und es wurde gewünscht, dass wir dieses Thema im Verein aufgreifen und im nächsten Abschnitt aufschlüsseln.

Stellen wir uns also die grundlegende Frage: Was kann zu einer Überproduktion der Lymphe führen?

Wir haben dazu verschiedene mögliche Ursachen identifiziert, auf die wir im nächsten Abschnitt näher eingehen möchten.

Ursachen für eine verstärkte Lymphproduktion

Zu einer erhöhten Lymphproduktion können unterschiedliche Ursachen beitragen – insbesondere bei Menschen mit Lymphödemen. Es ist wichtig, diese zusätzlichen Belastungen zu verstehen, um eine Verschlechterung des Lymphödems frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Die folgende Auflistung erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Hier sind einige der wichtigsten Ursachen:

Klicken Sie auf eine Ursache, um mehr darüber zu erfahren.

Bestimmte Medikamente können den Lymphfluss negativ beeinflussen – insbesondere Diuretika (Entwässerungstabletten) oder Hormone, wie sie zum Beispiel im Rahmen einer Hormonersatztherapie nach einer Krebserkrankung verordnet werden. Diese Mittel können entweder die Produktion von Lymphe anregen oder dazu führen, dass vermehrt Flüssigkeit ins Gewebe eindringt, was das bestehende Lymphödem zusätzlich belastet.

Wichtig: Sowohl Ärzten als auch Betroffene sollten bei der Wahl von Medikamenten darauf achten, ob das Präparat Wassereinlagerungen oder die Bildung von Ödemen als Nebenwirkung hat. Bei bereits vorhandenem Lymphödem sollte bei der Einnahme neuer Medikamente sorgfältig abgewogen werden, ob die Vorteile des Medikaments die möglichen Nebenwirkungen überwiegen oder ob das Lymphödem dadurch verschlechtert werden könnte.

Ein praktischer Tipp: Zur Anamnese: Es ist hilfreich, eine Liste aller aktuell oder früher eingenommenen Medikamente zum Arzttermin mitzunehmen.

Medikamenten-induzierte Lymphödeme – ein unterschätztes Thema

Viele Menschen mit Lymphödem stellen sich zu Recht die Frage, ob ihre Beschwerden mit der Einnahme bestimmter Medikamente zusammenhängen.

Statistiken zeigen, dass die Medikamenteneinnahme mit zunehmendem Alter steigt. Dadurch nimmt die Kombination verschiedener Wirkstoffe zu, die sich untereinander beeinflussen können. Dies kann Unsicherheit hervorrufen. Ärzten müssen eine Vielzahl an Medikamenten und deren Wechselwirkungen im Auge behalten. Doch auch wir Betroffene tragen eine Mitverantwortung.

Regelmässige Kontrolle der eigenen Medikation: Es lohnt sich, die eigenen Medikamente regelmässig zu prüfen, insbesondere wenn sich das Lymphödem verändert oder verschlechtert. Bei auffälligen Veränderungen sollte immer ein Arzt oder eine Angiologin hinzugezogen werden, um die Ursachen zu klären und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.

Entzündungsprozesse im Gewebe, sei es durch eine Infektion, eine Verletzung oder durch chronische Erkrankungen, können die Produktion von Lymphe anregen. Der Körper reagiert auf die Entzündung mit einer verstärkten Flüssigkeitsproduktion, um das betroffene Gewebe zu reparieren.

Bei einem Lymphödem ist der Lymphabfluss oft zusätzlich erschwert, da durch die veränderte Gewebestruktur, insbesondere durch eine Verklebung der Faszien, die mikroskopisch kleinen Entzündungen (Mikroentzündungen) entstehen können. Diese Mikroentzündungen fördern wiederum die Produktion von Lymphe und verstärken so das Ödem. Dies schafft einen Teufelskreis, in dem die verstärkte Flüssigkeitsproduktion das Lymphödem weiter ankurbelt und die Beschwerden verstärken kann.

Bei Menschen, die zu Blutgerinnungsstörungen neigen oder bereits eine Thrombose hatten, kann es zu einer verstärkten Lymphproduktion kommen, da das Gewebe nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Auch eine Thrombose in den Lymphbahnen kann den Lymphfluss behindern und die Lymphproduktion verstärken.

Neben der Hormonersatztherapie können hormonelle Schwankungen, wie sie etwa während der Schwangerschaft, der Menstruation oder der Wechseljahre auftreten, den Lymphfluss beeinflussen. Besonders ein erhöhter Östrogenspiegel kann das Gewebe dazu anregen, mehr Flüssigkeit zu speichern – was das Lymphsystem zusätzlich belastet.

Bewegungsmangel verlangsamt die Lymphzirkulation im Körper. Wenn sich der Körper nicht regelmässig bewegt, wird das Lymphsystem weniger effektiv, was zu einem Rückstau der Lymphe führen kann. Dies wiederum kann die Produktion von Lymphe verstärken, da der Körper versucht, den Flüssigkeitsabtransport zu kompensieren.

Herzkrankheiten, insbesondere eine Herzinsuffizienz, bei der das Herz nicht mehr ausreichend Blut pumpen kann, führen zu Flüssigkeitsansammlungen im Körper. Dies kann den Rückstau der Lymphe verstärken, da das Herz den Kreislauf nicht mehr effektiv aufrechterhalten kann.

Bei starkem Übergewicht (Adipositas) wird das Lymphsystem gleich mehrfach belastet: Einerseits entsteht durch das zusätzliche Fettgewebe ein erhöhter Bedarf an Lymphdrainage, da auch Fettgewebe mit Nährstoffen versorgt und Abfallstoffe abtransportiert werden müssen. Andererseits können sich Fettzellen vergrössern und entzündlich verändern, was zu sogenannten Mikroentzündungen führt – diese wiederum regen die Lymphproduktion zusätzlich an. Gleichzeitig wird der Abfluss der Lymphe durch das komprimierende Fettgewebe mechanisch erschwert.

Die Folge: Es wird nicht unbedingt „zu viel“ Lymphe produziert, aber sie kann schlechter abfliessen – was zur Ansammlung und somit zur Verstärkung eines sekundären Lymphödems führen kann.

Jede Form von äusserer Verletzung – sei es eine Prellung, ein Sturz oder eine Operation – löst im Körper eine natürliche Heilungsreaktion aus. Um beschädigtes Gewebe zu reparieren, produziert der Körper vermehrt Lymphe, die unter anderem abgestorbene Zellen, Botenstoffe und Entzündungsreste abtransportieren soll. Auch bei scheinbar harmlosen Verletzungen wie einem „Bäule am Kopf“ kann lokal ein deutlich erhöhter Lymphfluss entstehen. Für Menschen mit Lymphödem bedeutet das eine zusätzliche Belastung, da das ohnehin geschwächte Lymphsystem diese Mehrproduktion nicht ausreichend kompensieren kann – was zu einer sichtbaren Verschlechterung des Ödems führen kann.

Fazit
Die Zusammenhänge zwischen diesen Faktoren und dem Lymphsystem sind oft komplex und individuell unterschiedlich. Mehrere Ursachen können gleichzeitig wirken, die den Lymphfluss beeinflussen. Deshalb ist eine gründliche Diagnose und Anamnese durch Ärzten und Therapeuten notwendig, um alle Einflussfaktoren zu erkennen und in die Behandlung einzubeziehen.


Erfahrungsbericht: Annas Weg durch Diagnose, Krebstherapie und Lymphödem

Dieser Erfahrungsbericht wurde anonym verfasst. Die betroffene Person wird hier als "Anna" bezeichnet.

Ein schockierender Befund

Alles begann mit einer grossen Zyste am Hals, die entfernt werden musste. Nach der Operation sollte Anna lediglich die Fäden gezogen bekommen. Doch dann kam die unerwartete Nachricht: In der Zyste wurden bösartige Zellen gefunden.

Trotz des Schocks entschied sich Anna, mit ihren Söhnen wie geplant Mittagessen zu gehen. Ihr war es wichtig, sofort eine Normalität und Ruhe herzustellen, um ihrem Sohn Sicherheit zu geben.

Doch ab diesem Moment war nichts mehr wie zuvor. Metastasen wurden in der entfernten Zyste gefunden, doch der Ursprung des Krebses blieb unentdeckt – selbst nach zahlreichen Untersuchungen und Biopsien. Die Mandeln wurden entfernt, aber auch hier fand sich kein Hinweis auf den Primärtumor. Die Diagnose lautete "CUP-Syndrom" (Cancer of Unknown Primary), was bedeutet, dass der ursprüngliche Tumor nicht gefunden werden konnte.

Die Ärzte vermuteten, dass sich der Haupttumor möglicherweise von selbst aufgelöst hatte. Dennoch wurde eine grossflächige Strahlentherapie für den Hals- und Brustbereich empfohlen.

INFOBOX: Warum ist ein CUP-Syndrom so gefährlich?
Das CUP-Syndrom ist besonders herausfordernd, weil der Ursprungstumor nicht auffindbar ist. Das bedeutet, dass Ärzte nicht gezielt gegen den Primärtumor vorgehen können, sondern nur die bereits vorhandenen Metastasen behandeln. Dadurch ist die Wahl der Therapie oft eine allgemeine und weniger präzise ausgerichtete Strategie. Zudem besteht das Risiko, dass der ursprüngliche Tumor weiterhin im Körper vorhanden ist oder an einer anderen Stelle neue Metastasen bildet. Deshalb wird die Überlebenswahrscheinlichkeit oft niedriger eingeschätzt als bei anderen Krebsarten, bei denen der Ursprung bekannt ist und gezielt behandelt werden kann.

Kampf gegen den Krebs

In dieser schwierigen Zeit war ihr Ehemann eine unverzichtbare Stütze. "Er war mein Fels in der Brandung", sagt Anna. Die Diagnose mit einer 50-prozentigen Überlebenschance versetzte sie in grosse Angst. Doch sie stellte sich der Therapie mit aller Kraft und hoffte, dass sie zu denjenigen gehören würde, die den Krebs besiegen.

Besonders schmerzhaft war die Entfernung der Mandeln. Als Kind ist dieser Eingriff meist harmlos, doch bei Erwachsenen kann er zu schweren Komplikationen führen. Anna beschreibt den Schmerz als "satanische 10" auf einer Skala von 0 bis 10. Essen, trinken, sprechen – alles war eine Qual. Schlimmer noch: Sie konnte die verordneten Schmerztabletten nicht schlucken, weil sie im Rachen stecken blieben.

Eines Tages begann sie plötzlich stark zu bluten. In Panik schickte sie ihre Kinder zu Bekannten und rief den Notarzt. Als die Rettungskräfte eintrafen, war sie überall mit Blut bedeckt – eine Szene wie aus einem Horrorfilm. Glücklicherweise erkannte der Notarzt die Ursache: Eine nicht mal so seltene und lebensbedrohliche Nachblutung nach der Mandelentfernung. Im Krankenhaus wurde die Blutung gestoppt und sie erhielt endlich wirksame Schmerzmittel. Nach einigen Tagen konnte sie das Krankenhaus wieder verlassen.

Das unbekannte Lymphödem

Nach der Operation war Annas Gesicht auf der linken Seite stark geschwollen. Die Ärzte diagnostizierten Wassereinlagerungen, die mit manueller Lymphdrainage verschwinden sollten. Doch die Schwellung blieb.

Obwohl sie über seltene Nebenwirkungen der Krebstherapie informiert wurde, hatte sie keine Ahnung, dass ein bleibendes Lymphödem entstehen könnte. Weder ihr Hausarzt noch die Ärzte bei den Nachkontrollen konnten eine klare Diagnose stellen. Die regelmässigen Nachuntersuchungen waren für sie ohnehin fragwürdig: "Wenn sie den Primärtumor damals nicht finden konnten, warum sollten sie jetzt etwas entdecken?", fragte sie sich.

Nach einem halben Jahr war die Schwellung immer noch da. Eine Lymphdrainage-Therapeutin stellte erstmals die Vermutung auf, dass es sich um ein sekundäres Lymphödem handeln könnte. Anna begann, selbst Nachforschungen anzustellen, und fand eine Spezialklinik in Wolfsberg (Österreich), die auf solche Schwellungen spezialisiert ist.

Dort erhielt sie endlich eine eindeutige Diagnose: ein sekundäres Gesichts- Lymphödem nach der Krebstherapie. Die dreiwöchige Reha brachte deutliche Linderung, doch die Schwellung blieb sichtbar. Da die Diagnose vorher nicht gestellt wurde, musste sie die Kosten für den Aufenthalt selbst tragen. Doch der Aufenthalt zahlte sich aus: Zurück in der Schweiz erhielt sie nun endlich die notwendige Unterstützung für Therapien und Kompressionsware.

INFOBOX: Warum entsteht ein Gesichtsödem nach einer Krebstherapie?
Ein Gesichtsödem kann eine Folge der Krebstherapie sein, insbesondere nach Operationen, Bestrahlung oder Lymphknotenentfernung im Kopf-Hals-Bereich. Diese Eingriffe können das Lymphsystem schädigen, wodurch die Lymphflüssigkeit nicht mehr richtig abtransportiert wird.

Dadurch kommt es zu einer sichtbaren Schwellung, oft einseitig, die dauerhaft bestehen bleiben kann. Ohne geeignete Therapie wie Lymphdrainage und spezielle Kompressionsmassnahmen kann das Ödem zu Verhärtungen und funktionellen Einschränkungen führen, z. B. beim Sprechen oder Essen.

Leben mit Lymphödem

KI Symbolbild Gesichtslymphödem

Nach der Reha informierte sie sich weiter und stiess auf die Lymphödem Vereinigung Schweiz. Dort fand sie nicht nur wertvolle Informationen, sondern auch den Kontakt zu Experten wie Dr. Wagner und zur renommierten Földi-Klinik im Schwarzwald (Deutschland).

In der Földi-Klinik erhielt sie die beste Behandlung für ihr Gesichtslymphödem. Doch sie war dort oft die Einzige mit dieser seltenen Form des Lymphödems.

(Bild links: KI generiertes Sinnbild eines Gesichtsödems)

Da eine klassische Bandagierung im Gesicht nicht möglich ist, entwickelte ein Orthopäde speziell angefertigte Gesichtsbandagen aus Leggins-Stoff für sie. Die standardisierten Bandagen der Hersteller, die wie Sturmhauben oder Zahnhalter aussehen, waren für sie nicht tragbar.

Anna stellte zudem fest, dass sich ihr Körper weiter veränderte. Sie entwickelte einen Sprachfehler, der sich verstärkte, wenn das Ödem anschwoll, sodass ihre Sprache lallend wurde. Beim Sport, wenn es anstrengend wurde, schwoll ihr Ödem ebenfalls an, begleitet von Husten und Atemnot. Ihr Geschmackssinn veränderte sich, sodass sie zum Beispiel Salz nicht mehr richtig einordnen konnte – eine Spätfolge der Bestrahlung. Besonders bemerkenswert fand sie, dass sich diese Symptome immer wieder veränderten.

Die berufliche Herausforderung

Auch beruflich war der Weg nach der Krebsdiagnose nicht einfach. Ständige Müdigkeit (Fatigue-Syndrom) begleitet sie bis heute. Früher arbeitete sie problemlos 80%, doch mit der Zeit musste sie akzeptieren, dass dieses Pensum nicht mehr möglich war. Heute arbeitet sie 50% in einer sinnvollen, sozialen Tätigkeit. Sie hat gelernt, ihre Energiereserven einzuteilen und auf ihren Körper zu hören.

Besonders wichtig war für sie der Austausch mit anderen Betroffenen. "Durch die Lymphödem Vereinigung Schweiz habe ich neue Freunde gefunden. Die Erfahrungsberichte anderer helfen mir unheimlich", sagt sie. Und eines hat sie auf ihrem Weg gelernt: Trotz aller Herausforderungen darf der Humor nicht zu kurz kommen. Anna lacht noch heute über bestimmte Situationen, die früher vielleicht schwer waren.

Fazit
Annas Weg war von vielen Herausforderungen geprägt, doch sie hat nie aufgegeben. Heute hat sie ihren Weg gefunden, kann mit den Folgen der Erkrankung leben und möchte ihre Erfahrungen weitergeben, um anderen Mut zu machen.


Einladung zum 1. Lymphanlass 2025:
"Lymphödem und seine Therapie – Ein Tag für Betroffene und Interessierte"

Wann: 1. November 2025, 09:00 – 17:00 Uhr
Wo: Aula Neuenhof, Zürcherstrasse 89, 5432 Neuenhof (Baden)

Zum ersten Mal seit Bestehen der Lymphödem Vereinigung Schweiz veranstalten wir einen spannenden Tag rund um das Thema Lymphödem.

Wir haben ein abwechslungsreiches Programm für Sie zusammengestellt, bei dem Sie alles Wichtige über die neuesten Therapieansätze, aktuelle Forschungsergebnisse und bewährte Behandlungsmethoden erfahren können.

Es erwarten Sie spannende Vorträge, eine grosse Ausstellung sowie zahlreiche Experten aus verschiedenen Fachgebieten.

Die Veranstaltung richtet sich an Betroffene, Fachpersonen aus dem Gesundheits- und Therapiebereich sowie an alle Interessierten, die mehr über das Thema Lymphödem erfahren möchten.

Nutzen Sie die Gelegenheit, von Fachleuten zu lernen, praktische Demonstrationen zu erleben und wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Lösungsansätze im Umgang mit Lymphödemen zu gewinnen.

Programm ansehen und jetzt anmelden


Buchempfehlungen rund ums Lymphödem und verwandte Themen

In unserem Newsletter möchten wir Menschen mit Lymphödem und alle Interessierten inspirieren und unterstützen. Deshalb stellen wir in jeder Ausgabe zwei Bücher vor, die sich mit dem Leben mit Lymphödem oder mit verwandten Themen beschäftigen.

Und wenn Sie selbst ein spannendes Buch entdeckt haben: Schreiben Sie uns – vielleicht findet Ihr Tipp einen Platz in der nächsten Ausgabe.

Die heilende Kraft der Lymphe von Lisa Levitt Gainsley

Eines der Bücher, das wir in diesem Newsletter vorstellen möchten, dreht sich um die Kraft der Lymphe. Die Physiotherapeutin Lisa Levitt Gainsley beschreibt eindrücklich, wie das Lymphsystem mit all seiner Vielseitigkeit unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden beeinflusst.

Mit vielen lebendigen Illustrationen zeigt sie, wie Selbstmassage funktioniert und wie wir unser Lymphsystem gezielt anregen können.

Das Buch eignet sich sowohl für Therapeuten als auch für Betroffene mit Lymphödem – aber auch für alle, die sich für das Thema Lymphe und Selbstfürsorge interessieren.

ISBN: 978-3-7787-9307-7

Die heilende Kraft der Lymphe von Lisa Levitt Gainsley

Faszien – Therapie und Training von Stefan Dennenmoser

Dieses Buch bietet einen umfassenden Überblick über die aktuelle Faszienforschung, die Grundlagen der Faszien und den Mechanismus bei Verschleiss und Verletzungen. Basierend auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen werden die Auswirkungen auf Therapie und Praxis verständlich erklärt.

Anschaulich in Wort und Bild zeigt der Autor anhand häufiger klinischer Beschwerdebilder Techniken für die Befunderhebung sowie verschiedene Behandlungsmöglichkeiten und erläutert die Zusammenhänge der Symptome.

Eine Vielzahl von Fotosequenzen veranschaulicht gezielte Handgriffe für die Faszientherapie. Zudem enthält das Buch konkrete, leicht verständliche Übungen, die Therapeuten an Patienten weitergeben können.

Es eignet sich hervorragend für Therapeuten, die Faszientherapie auch bei Lymphödem-Betroffenen anwenden möchten, sowie für Betroffene, die detailliert verstehen wollen, wie sie Verklebungen der Faszien (Fibrosen) selbst behandeln können.

ISBN: 978-3-437-45271-0

Faszien – Therapie und Training von Stefan Dennenmoser

Weitere interessante Bücher und Erfahrungsberichte findet ihr auf unserer Webseite unter dem folgenden Links:
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