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Newsletter Juli 2025 - Nr. 27

Liebe Mitglieder der Lymphödem Vereinigung Schweiz
Liebe Interessierte

Der Sommer ist in vollem Gange – mit viel Licht, Wärme und Sonnenschein.

In dieser Ausgabe unseres Newsletters widmen wir uns einem Thema, das immer mehr an Bedeutung gewinnt und viele von einem Lymphödem Betroffene betrifft: den psychischen Belastungen rund um das Leben mit einem Lymphödem.

Was macht es mit einem Menschen, ständig auf die Therapie achten zu müssen?
Wie wirkt sich das Krankheitsbild auf das Selbstbild, den Alltag und das soziale Leben aus?
Und wie kann man lernen, mit all dem besser umzugehen?

Wir möchten euch in dieser Ausgabe mehr Informationen zum Thema bieten und euch Impulse geben, wie ihr euer Stressmanagement stärken könnt – durch Wissen, Achtsamkeit und Bewegung, die Freude macht, ohne zu überfordern.

Zudem stellen wir euch einen spannenden und aufschlussreichen Erfahrungsbericht von Nicole vor – einem Mitglied unserer Vereinigung, mit einem sekundären Lymphödem nach Krebstherapie. In einem kürzlich veröffentlichten Podcast erzählt sie, wie sie die Diagnose Lymphödem erlebt hat und wie sie erfolgreich ihren Weg damit gefunden hat.

Wie immer möchten wir euch auch zwei Bücher zum Thema «Bewegung und Ernährung bei Lymphödemen» vorstellen – in der Hoffnung, dass sie euch inspirieren und weiterhelfen.

Wir wünschen euch einen schönen Sommer und eine gute Zeit.

Herzliche Grüsse
Eure Lymphödem Vereinigung Schweiz


Die psychischen Herausforderungen beim Lymphödem

Psychologische Auswirkungen von Lymphödeme

Die medizinischen Leitlinien zur Behandlung von Lymphödemen formulieren es deutlich:

Das Lymphödem ist eine physisch und psychisch belastende, chronisch fortschreitende Erkrankung.
Und weiter: „Ohne angemessene Therapie ist die Teilhabe am Alltags- und Berufsleben drastisch eingeschränkt.

In diesem Newsletter möchten wir auf die psychischen Herausforderungen eingehen und versuchen, die folgenden Fragen möglichst verständlich zu beantworten:

  • Warum sind sich Fachleute einig, dass ein Lymphödem auch psychisch eine enorme Herausforderung darstellt?
  • Wie wird die psychische Belastung von Lymphödem-Betroffenen gemessen – und was sagt die Forschung dazu?
  • Was passiert im Körper bei chronischem Stress, und wie beeinflusst das das Lymphödem (z. B. Fettverteilung, Entzündungsprozesse)?
  • Welche einfachen Möglichkeiten gibt es, um gezielt Stress abzubauen und damit auch das Lymphsystem zu entlasten?

Im nächsten Newsletter werden wir dann den zweiten Aspekt dieser wichtigen Thematik vertiefen: Wie stark schränkt ein Lymphödem das Berufsleben der Betroffenen ein?

Dafür möchten wir im Vorfeld eine anonyme Umfrage unter Betroffenen durchführen, um ein realistisches Bild ihrer Lebensrealität zu gewinnen – als Diskussionsgrundlage für die nächste Ausgabe.

Warum sind sich Fachleute einig, dass ein Lymphödem auch psychisch eine enorme Herausforderung darstellt?

Das Lymphödem ist nicht nur eine chronisch fortschreitende Erkrankung des Lymphsystems, sondern betrifft die Betroffenen oft auf vielen Ebenen des Lebens. Fachleute – darunter Mediziner, Psychologen und Therapeuten – sind sich weitgehend einig, dass die psychischen Belastungen bei einem Lymphödem oft unterschätzt werden. Diese Belastung entsteht durch mehrere Faktoren, die sich gegenseitig verstärken können:

Sichtbare Veränderung des Körpers:
Ein Lymphödem führt häufig zu dauerhafter Schwellung an Armen, Beinen oder anderen Körperteilen. Diese Veränderungen können das Körperbild und Selbstwertgefühl stark beeinträchtigen – besonders wenn Kleidung nicht mehr passt und der Kompressionsstrumpf Teil des Lebens wird.

Chronizität und fehlende Heilungsaussicht:
Die Tatsache, dass ein Lymphödem nicht heilbar ist, sondern lebenslang eine aufwendige Therapie erfordert, wirkt sich bei vielen Menschen auf die psychische Gesundheit aus. Der Gedanke, „Das bleibt jetzt für immer“, kann zu Ohnmachtsgefühlen, Angst, Traurigkeit oder sogar depressiven Verstimmungen führen.

Therapielast und Alltagsmanagement:
Die tägliche Selbstpflege – wie Kompressionstragen, Hautpflege, Bewegung und ggf. manuelle Lymphdrainage – kostet viel Zeit, Energie und Disziplin. Diese dauerhafte Belastung kann zu Erschöpfung führen, besonders wenn Beruf, Familie und soziales Leben gleichzeitig gemeistert werden müssen.

Soziale Isolation und Unverständnis:
Viele Betroffene berichten davon, dass ihr Umfeld die Erkrankung nicht ernst nimmt oder nicht versteht – gerade weil sie äusserlich „nicht krank genug“ wirken. Das kann zu Rückzug, Scham oder dem Gefühl führen, „nicht mehr dazuzugehören“. Auch Partnerschaft und Sexualität können unter dem veränderten Körpergefühl leiden.

Unsicherheit durch fehlendes Wissen:
Oft erleben Betroffene, dass sie mit ihren Sorgen nicht ernst genommen werden – sei es von Ärzten, Arbeitgeber oder Versicherungen. Die fehlende Aufklärung und teilweise mangelnde Fachkenntnis im Gesundheitssystem verstärken das Gefühl, alleine gelassen zu werden.

Wie wird die psychische Belastung bei Menschen mit Lymphödem gemessen – was sagt die Forschung dazu?

Psychische Belastung lässt sich nicht einfach mit einem Bluttest oder Röntgenbild feststellen. Trotzdem gibt es in der Forschung bewährte Methoden, um herauszufinden, wie stark ein Mensch unter seiner Krankheit leidet. Bei Lymphödemen kommen dafür häufig sogenannte Fragebögen zur Lebensqualität oder psychischen Gesundheit zum Einsatz.

Einer der wichtigsten ist der Lymph-ICF-Fragebogen. Dieser wurde speziell für Menschen mit Lymphödem entwickelt und erfasst nicht nur körperliche Einschränkungen, sondern auch die seelischen Belastungen – etwa wie oft man sich traurig fühlt, wie sehr die Krankheit den Alltag beeinflusst oder ob man sich vom sozialen Leben ausgeschlossen fühlt.

Forschungsergebnisse zeigen deutlich:
Viele Menschen mit Lymphödem berichten über Gefühle von Erschöpfung, Frustration, Traurigkeit oder Scham. Einige Studien zeigen sogar, dass die psychische Belastung ähnlich hoch sein kann wie bei anderen chronischen Krankheiten – etwa bei Diabetes oder Rheuma. Besonders belastend ist für viele die Unsicherheit, wie sich das Lymphödem weiterentwickelt – und ob die Therapiemöglichkeiten auch in Zukunft gut zugänglich bleiben.

Ein weiterer wichtiger Punkt:
Je früher die Diagnose und Therapie erfolgen, desto besser ist meist auch der Umgang mit der Erkrankung – körperlich wie psychisch. Wer sich gut informiert fühlt und Unterstützung bekommt, kommt besser zurecht. Genau deshalb ist es so wichtig, dass die psychische Seite des Lymphödems ernst genommen wird – und nicht nur „die Schwellung“ behandelt wird.

Was passiert im Körper bei chronischem Stress – und wie beeinflusst das das Lymphödem?

Stress gehört zum Leben dazu. Kurzfristiger Stress kann sogar hilfreich sein – er macht uns wach, fokussiert und leistungsfähig. Problematisch wird es aber, wenn der Stress nicht mehr aufhört. Das nennt man chronischen Stress, und der wirkt sich negativ auf viele Vorgänge im Körper aus – besonders bei chronischen Krankheiten wie dem Lymphödem.

Was passiert im Körper bei Dauerstress?

Wenn wir über längere Zeit unter Druck stehen, schüttet der Körper ständig Stresshormone wie Cortisol aus. Diese Hormone bringen das Gleichgewicht im Körper durcheinander. Unter anderem können sie:

  • Entzündungen im Gewebe fördern
  • die Fettverteilung verändern (z. B. mehr Einlagerung im Bauchbereich)
  • den Schlaf stören
  • das Immunsystem schwächen
  • den Lymphfluss verlangsamen

Das alles kann ein Lymphödem verschlechtern oder schneller voranschreiten lassen. Besonders problematisch ist, dass man in stressigen Phasen oft weniger auf sich achtet: Man vernachlässigt Therapien, bewegt sich weniger, isst unregelmässig – oder meidet soziale Kontakte.

Ein Teufelskreis entsteht:
Mehr Stress → mehr Beschwerden → weniger Energie → noch mehr Stress.

Deshalb ist es so wichtig, auch im Alltag gezielt Stress zu reduzieren, um das Lymphsystem zu entlasten – körperlich wie seelisch. Im nächsten Abschnitt schauen wir uns einfache Möglichkeiten an, wie das gelingen kann.

Quellenverzeichnis:

  • Diplomarbeit: Compliance und psychische Belastung bei Lymphödempatienten. Universität Klagenfurt, 2017.
    Verfügbar unter: Link
  • Jaeger, Martina: Das Lymphödem – auch ein psychosoziales Problem? 2007.
    Verfügbar unter: Link
  • S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Lymphödeme, 2017.
    Verfügbar unter: Link (Neue S3 Leitlinie folgt)
  • Bross, F., Földi, E., Vanscheidt, W., Augustin, M.: Psychosoziale Krankheitsbelastungen und Lebensqualität beim Lymphödem, 1999.
    Verfügbar unter: Link

Welche einfachen Möglichkeiten gibt es, um Stress gezielt abzubauen – und so auch das Lymphsystem zu entlasten?

Gerade im Juni 2025 trafen wir uns zum ersten Mal in einer kleinen Gruppe im schönen Emmental zu einem gemeinsamen Badeplausch mit Wassergymnastik.

Lymphödem Wassergymnastik, Aquafit

Neben dem wertvollen Austausch untereinander bot uns die Bewegung im Wasser eine wunderbare Möglichkeit, den Alltagsstress hinter uns zu lassen und gleichzeitig etwas für die Gesundheit zu tun.

Es braucht nicht immer grosse Veränderungen, um Stress zu verringern. Schon kleine, regelmässige Schritte können helfen, den Körper und Geist zu beruhigen – und damit auch das Lymphsystem zu unterstützen. Hier ein paar erprobte Methoden:

  • Tägliche Ruheinseln schaffen
    Ein paar Minuten bewusstes Innehalten am Tag wirken oft Wunder. Ob mit einer Tasse Tee, einem kurzen Spaziergang oder einfach still dasitzen und durchatmen – wichtig ist, sich regelmässig kleine Pausen zu gönnen.
  • Atemübungen und Entspannungstechniken
    Tiefes, langsames Atmen aktiviert den sogenannten Parasympathikus – das ist der Teil des Nervensystems, der für Ruhe und Regeneration sorgt. Auch einfache Techniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder leichte Meditation helfen dabei, Stress abzubauen.
  • Bewegung nach Mass
    Regelmässige, sanfte Bewegung wie Spazieren, Schwimmen, Radfahren, Tanzen oder angepasste Gymnastik oder Yoga bringt das Lymphsystem in Schwung und löst gleichzeitig angestaute Spannungen im Körper.
  • Austausch mit anderen Betroffenen
    Wer offen über seine Sorgen spricht, fühlt sich weniger allein. Der Kontakt mit anderen, die Ähnliches erleben, kann entlasten und Mut machen.
  • Weniger müssen – mehr dürfen
    Viele Betroffene stehen unter innerem Druck, im Alltag „voll zu funktionieren“. Wer sich erlaubt, nicht perfekt zu sein, senkt die innere Anspannung. Das kann entlastend wirken – auch für das Lymphsystem.

Erfahrungsbericht „Das Lymphödem war psychisch schlimmer als die Krebsdiagnose“ von Nicole

Nach einer Krebserkrankung wurde bei Nicole ein Lymphödem diagnostiziert – für sie ein tiefer Einschnitt in ihr Leben. In ihrem ehrlichen Bericht erzählt sie, warum sie diese Diagnose als schwerwiegender empfand als den Krebs selbst – und was ihr geholfen hat, zurück ins Leben zu finden.

🎧 Podcast-Tipp
„Ich will ein gutes Leben – trotz Lymphödem“
Ausgabe März 2025, erschienen bei Leben mit Krebs
Jetzt anhören auf Spotify


Einladung zum 1. Lymphanlass 2025:
"Lymphödem und seine Therapie – Ein Tag für Betroffene und Interessierte"

Save the Date

Wann: 1. November 2025, 09:00 – 17:00 Uhr
Wo: Aula Neuenhof, Zürcherstrasse 89, 5432 Neuenhof (Baden)

Zum ersten Mal seit Bestehen der Lymphödem Vereinigung Schweiz veranstalten wir einen spannenden Tag rund um das Thema Lymphödem.

Wir haben ein abwechslungsreiches Programm für Sie zusammengestellt, bei dem Sie alles Wichtige über die neuesten Therapieansätze, aktuelle Forschungsergebnisse und bewährte Behandlungsmethoden erfahren können.

Es erwarten Sie spannende Vorträge, eine grosse Ausstellung sowie zahlreiche Experten aus verschiedenen Fachgebieten.

Die Veranstaltung richtet sich an Betroffene, Fachpersonen aus dem Gesundheits- und Therapiebereich sowie an alle Interessierten, die mehr über das Thema Lymphödem erfahren möchten.

Nutzen Sie die Gelegenheit, von Fachleuten zu lernen, praktische Demonstrationen zu erleben und wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Lösungsansätze im Umgang mit Lymphödemen zu gewinnen.


Buchempfehlungen rund ums Lymphödem und verwandte Themen

In jeder Newsletter-Ausgabe stellen wir spannende Bücher vor – rund ums Lymphödem, Therapieformen und angrenzende Themenbereiche. In dieser Ausgabe dürfen wir zwei Buchtipps vorstellen, die wir von einem unserer Mitglieder erhalten haben.

Du hast selbst ein lesenswertes Buch entdeckt? Schreib uns – vielleicht erscheint dein Tipp schon in der nächsten Ausgabe!

Acidose-NaturKüche

Aus dem Inhalt: Was bedeutet "latente Acidose"? Was kann ich selbst tun zum Entsäuern? Wie finde ich in dem Wirrwarr der unzähligen Ernährungslehren meine individuelle Kost, die mich störkt und mich zu Wohlbefinden und Vitalität führt? Über 200 Rezepte, tiermilcheiweiß- und glutenfrei Kinder- und Schonkost - Säure-Fasten - Gourmetkost Reinigendes Fasten mit Genuss Aus der wissenschaftlichen Arbeit von Potamos.

Das Buch ist weit mehr als eine Rezeptsammlung. Es bietet Lösungen zu allen Fragen der gesunden und schmackhaften Ernährung und zum Thema Entsäuerung. Viele farbige Bilder und ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen unterstützen Sie bei der Umsetzung der über 200 tiermilch- und zumeist auch glutenfreien Rezepte. Ein wertvolles Buch, das hilft aus dem Wirrwarr der unzähligen Ernährungslehren seine individuelle Kost, die zu mehr Wohlbefinden und Vitalität führt, zu finden.

ISBN: 978-3-9811851-1-9

Acidose-LymphGymnastik

Die Lymphe – das heilende Wasser

Die Lymphologische Ganzheitstherapie (LGB) ist für Ärzte und Heilpraktiker eine einzigartige, zukunftsträchtige Therapieform, die mit nahezu allen naturheilkundlichen, homöopathischen und schulmedizinischen Behandlungsmethoden verknüpft werden kann.Siee basiert auf dem "In-Fluss-bringen" der Lymphe und der Lösung tiefer acidotischer Lymphblockaden. Organe und Gewebe werden besser durchflutet. Informationen jeder Form - grob-, feinstofflich oder energetisch - erreichen eine höhere Wirkung. Therapien wirken schneller, intensiver und nebenwirkungsärmer.

ISBN: 978-3-9811851-9-5

Die Lymphe – das heilende Wasser

Weitere interessante Bücher und Erfahrungsberichte findet ihr auf unserer Webseite unter dem folgenden Links:
Hier finden Sie Bücher.
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