Interview mit Frau Kirsten Schade: Älterwerden mit Lymphödem
Frage 1: Frau Schade, könnten Sie uns zunächst etwas über Ihre Erfahrung und Expertise im Umgang mit Lymphödemen, insbesondere im Hinblick auf ältere Menschen, erzählen?
Als langjährig Betroffene eines Lymphödems und Autorin von Büchern zu diesem Thema habe ich eine persönliche Verbindung und tiefe Erfahrung mit dieser Erkrankung. Mein Weg mit dem Lymphödem begann vor über 60 Jahren, und ich habe im Laufe der Zeit sowohl die physischen als auch die emotionalen Herausforderungen kennengelernt, die damit einhergehen.
Besonders im Blick auf ältere Menschen habe ich gesehen, wie das Lymphödem ihren Alltag beeinflusst und wie wichtig es ist, geeignete Strategien zur Bewältigung zu entwickeln. Ältere Menschen stehen oft vor einzigartigen Herausforderungen, sei es aufgrund von Mobilitätsproblemen, anderen Gesundheitszuständen oder einer allgemeinen Abnahme der Lebensqualität. Daher ist es entscheidend, individuelle Lösungen zu finden, die ihren Bedürfnissen gerecht werden.
Meine Expertise beruht nicht nur auf persönlichen Erfahrungen, sondern auch auf intensiver Recherche, kontinuierlicher Weiterbildung und dem Austausch mit anderen Fachleuten auf dem Gebiet der Lymphologie. Ich bin fest davon überzeugt, dass eine umfassende Betrachtung des Lymphödems, einschließlich präventiver Maßnahmen, therapeutischer Ansätze und psychosozialer Unterstützung, einen positiven Einfluss auf das Leben von Betroffenen haben kann.
Durch meine Arbeit als Autorin, Beraterin und Unterstützerin in der Lymphselbsthilfe habe ich das Privileg, mein Wissen und meine Erfahrungen weiterzugeben und Menschen dabei zu helfen, einen Weg zu finden, mit dem Lymphödem bestmöglich zu leben. Ich bin davon überzeugt, dass jeder, unabhängig von Alter oder Lebenssituation, Hoffnung schöpfen und Unterstützung finden kann, um ein erfülltes und aktives Leben zu führen.
Frage 2: Welche besonderen Herausforderungen stellen sich älteren Menschen mit Lymphödem im Vergleich zu jüngeren Betroffenen?
Ältere Menschen mit einem Lymphödem stehen vor einigen einzigartigen Herausforderungen im Vergleich zu jüngeren Betroffenen. Diese Herausforderungen können sich aus verschiedenen Gründen ergeben, darunter die natürlichen altersbedingten Veränderungen des Körpers, begleitende Gesundheitsprobleme und der Einfluss auf die Lebensqualität im Alter.
Eine der Hauptprobleme für ältere Menschen mit Lymphödem ist oft die Mobilität. Mit zunehmendem Alter können Gelenksteifheit, Muskelabbau und andere altersbedingte Einschränkungen auftreten, die das Bewegungsausmaß beeinträchtigen. Dies kann die Durchführung von lymphatischen Entstauungstechniken erschweren und die Fähigkeit zur Bewältigung von Lymphödemsymptomen beeinträchtigen.
Darüber hinaus können altersbedingte Gesundheitsprobleme wie Arthritis, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Symptome des Lymphödems verschlimmern und die Behandlung komplizieren. Die Verwaltung mehrerer gesundheitlicher Probleme erfordert oft eine multidisziplinäre Herangehensweise und enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen medizinischen Fachkräften.
Psychosoziale Faktoren spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Ältere Menschen mit Lymphödem können sich isoliert oder depressiv fühlen, insbesondere wenn sie Schwierigkeiten haben, sich zu bewegen oder ihre üblichen Aktivitäten auszuführen. Die Auswirkungen des Lymphödems auf die Lebensqualität können sich verstärken, wenn begleitende gesundheitliche Probleme auftreten oder die soziale Unterstützung begrenzt ist.
Es ist wichtig zu betonen, dass ältere Menschen mit einem Lymphödem jedoch nicht allein sind. Mit einer angemessenen Unterstützung durch medizinische Fachkräfte, Angehörige und Selbsthilfegruppen können sie lernen, mit den Herausforderungen umzugehen und ihr Leben bestmöglich zu gestalten. Die Integration von Bewegung, lymphatischen Entstauungstechniken und psychosozialer Unterstützung in den Alltag kann älteren Menschen dabei helfen, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und ein aktives und erfülltes Leben zu führen.
Frage 3: Welche spezifischen Selbsthilfestrategien und Bewältigungstechniken empfehlen Sie älteren Menschen mit Lymphödem, um ihren Alltag besser zu meistern?
Für ältere Menschen mit einem Lymphödem gibt es eine Vielzahl von Selbsthilfestrategien und Bewältigungstechniken, die dazu beitragen können, ihren Alltag besser zu bewältigen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Hier sind einige Empfehlungen:
- Bewegung und körperliche Aktivität: Auch im Alter ist regelmäßige Bewegung wichtig, um den Lymphabfluss zu fördern und die Durchblutung zu verbessern. Leichte Übungen wie Gehen, Schwimmen oder sanftes Yoga können helfen, die Mobilität zu erhalten und Schwellungen zu reduzieren.
- Lymphatische Entstauungstechniken: Das Erlernen und regelmäßige Durchführen von lymphatischen Entstauungstechniken wie der manuellen Lymphdrainage oder der Anwendung von Kompressionsstrümpfen kann älteren Menschen helfen, die Schwellungen zu reduzieren und die Symptome des Lymphödems zu kontrollieren.
- Selbstpflege und Hautpflege: Eine gute Hautpflege ist besonders wichtig für ältere Menschen mit einem Lymphödem, da die Haut durch Schwellungen empfindlicher und anfälliger für Infektionen sein kann. Regelmäßiges Eincremen, das Tragen von geeigneter Kleidung und das Vermeiden von Verletzungen sind wichtige Aspekte der Selbstpflege.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Eiweiß kann dazu beitragen, das Gewicht zu kontrollieren und Entzündungen im Körper zu reduzieren, was wiederum die Symptome des Lymphödems verbessern kann.
- Psychosoziale Unterstützung: Ältere Menschen mit Lymphödem können von der Teilnahme an Selbsthilfegruppen oder dem Austausch mit anderen Betroffenen profitieren. Der Dialog über Erfahrungen, Ängste und Herausforderungen kann dazu beitragen, das Gefühl der Isolation zu verringern und eine unterstützende Gemeinschaft aufzubauen. Auch hilft die langjährigen Erfahrungen entspannter zu werden.
- Stressmanagement: Stress kann die Symptome des Lymphödems verschlimmern. Daher ist es wichtig, Stress abzubauen und Entspannungstechniken wie Meditation, Atemübungen oder progressive Muskelentspannung in den Alltag zu integrieren.
- Regelmäßige ärztliche Kontrollen: Ältere Menschen mit einem Lymphödem sollten regelmäßige ärztliche Kontrollen und Untersuchungen durchführen lassen, um den Verlauf der Erkrankung zu überwachen und gegebenenfalls Anpassungen an der Behandlung vorzunehmen.
Indem ältere Menschen mit einem Lymphödem diese Selbsthilfestrategien und Bewältigungstechniken in ihren Alltag integrieren, können sie dazu beitragen, die Symptome zu kontrollieren, die Lebensqualität zu verbessern und ein aktives und erfülltes Leben zu führen
Frage 4: Sie haben auch ein Buch über das Thema "Älter werden mit dem Lymphödem" geschrieben. Könnten Sie uns einen kurzen Einblick in den Inhalt und die wichtigsten Erkenntnisse geben?
In meinem Buch "Älter werden mit dem Lymphödem" möchte ich Betroffenen, Angehörigen und Interessierten einen umfassenden Einblick in die besonderen Herausforderungen und Chancen bieten, die das Älterwerden mit einem Lymphödem mit sich bringt.
Der Inhalt des Buches gliedert sich in mehrere Kapitel, die sich mit unterschiedlichen Aspekten befassen:
- Verständnis des Lymphödems im Alter: Ich erkläre die spezifischen Merkmale und Symptome des Lymphödems bei älteren Menschen und gehe auf die Besonderheiten der Diagnose und Behandlung ein.
- Bewältigungsstrategien im Alltag: Hier stelle ich praktische Tipps und Strategien vor, wie ältere Menschen mit einem Lymphödem ihren Alltag besser bewältigen können. Dazu gehören Selbsthilfemaßnahmen, Bewegungsempfehlungen und psychosoziale Unterstützung.
- Ernährung und Gesundheit: Ich erläutere die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung im Zusammenhang mit dem Lymphödem und gebe konkrete Empfehlungen für eine gesunde Lebensweise im Alter.
- Psychische Gesundheit und Lebensqualität: Ein wichtiger Schwerpunkt meines Buches liegt auf der psychischen Gesundheit älterer Menschen mit Lymphödem. Ich ermutige dazu, positive Denkweisen zu entwickeln und zeige Möglichkeiten auf, wie man trotz der Erkrankung ein erfülltes Leben führen kann.
- Hoffnung und Perspektiven: Abschließend biete ich einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen und Therapiemöglichkeiten im Bereich der Lymphödem-Behandlung und möchte damit Hoffnung und Mut vermitteln.
In meinem Buch vereine ich mein Fachwissen als Expertin für Lymphödem mit meiner Erfahrung als Betroffene selbst. Mein Ziel ist es, Menschen im fortgeschrittenen Alter mit einem Lymphödem zu unterstützen, ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben zu führen, und gleichzeitig Angehörigen und Interessierten fundierte Informationen und Hilfestellungen anzubieten.
Frage 5: Abschließend, welche Botschaft möchten Sie älteren Menschen mit Lymphödem mit auf den Weg geben?
Abschließend möchte ich älteren Menschen mit einem Lymphödem eine wichtige Botschaft mitgeben: Trotz der Herausforderungen, die das Älterwerden und die Erkrankung mit sich bringen mögen, gibt es immer Hoffnung und Wege, um ein erfülltes Leben zu führen. Es ist wichtig, sich nicht von der Erkrankung definieren zu lassen, sondern vielmehr die eigenen Stärken und Möglichkeiten zu erkennen.
Setzen Sie sich Ziele, bleiben Sie aktiv und pflegen Sie Ihre sozialen Kontakte. Nehmen Sie Unterstützung an, sei es von medizinischem Fachpersonal, Angehörigen oder Selbsthilfegruppen. Gleichzeitig ist es wichtig, sich selbst liebevoll anzunehmen und sich nicht von Rückschlägen entmutigen zu lassen. Jeder Tag bringt neue Chancen und Möglichkeiten mit sich, und es lohnt sich, das Leben in vollen Zügen zu genießen, unabhängig von den Umständen. Bleiben Sie positiv und behalten Sie Ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Sie sind nicht allein – gemeinsam können wir Wege finden, um mit dem Lymphödem im Alter bestmöglich umzugehen und das Leben in vollen Zügen zu genießen.
25. Newsletter Dezember 2024 - Interview: Kirsten Schade
