Lymphödem, geschwollene Beine, Erysipel, Wundrose, Dicker Arm, Schwere Beine, Müde Beine

Die klassische Kompressionstherapie mit Kurzzugbinden

Um ein Lymphödem effektiv zu behandeln benötigt es Kompressionsbandagen mit Kurzzugbinden. Diese werden in einer Intensiv-Behandlungsphase (meist 2-4 Wochen) nach der manuellen Lymphdrainage täglich frisch angelegt und für 24 Stunden getragen. Studien von Földi, Jünger und Partsch sowie eines britischen Lymphödem-Frameworks und die Arbeiten von Williams und Keller belegen die Wirksamkeit der Kompressionstherapie mit Kurzzug-Kompressionsbandagen.

Quellenangabe: http://ewma.org/fileadmin/user_upload/EWMA.org/Position_documents_2002-2008/German_focus_doc_05.pdf (20.07.2017)

Wirkung dank Kompression

Einige Studien belegen schon seit vielen Jahren, dass die komplexe physikalische Entstauungstherapie kurz KPE (Manuelle Lymphdrainage in Kombination mit der Kompressionsbehandlung durch Kurzzugbandagen) eine beeindruckende Reduktion von Ödemen bewirkt. Folgende Wirkungen können der KPE zugeschrieben werden:

  • Reduktion der kapillären Filtration, also weniger Austritt von Flüssigkeit aus den Gefässen ins Gewebe
  • Steigerung der lymphatischen Rückresorption, also mehr Rückresorption von Flüssigkeit aus dem Gewebe in Lymphkapillaren
  • Anregung des Lymphtransports
  • Verbesserung des venösen Rücktransportes durch effektivere Muskelpumpe
  • Umverteilung von Flüssigkeit in nicht komprimierte Körperabschnitte
  • Abbau von fibrotisch verändertem Gewebe

Behandlungsoptionen für den Patienten

Nach der Beurteilung des Lymphödems und der Gesamtverfassung des Patienten wird die optimale Behandlung festgelegt. Das britische Lymphödem-Framework-Projekt hat detaillierte Pflegeempfehlungen mit definierten Behandlungsoptionen ausgearbeitet.

Die Standard-Intensivtherapie KPE beinhaltet folgende Punkte:

  1. manuelle Lymphdrainage
  2. Hautpflege
  3. Kurzzugbandagen
  4. Bewegungsübungen

Die Punkte 1-3 werden täglich über 2-4 Wochen von spezialisierten Therapeuten durchgeführt. Der Patient unterstützt die Therapie mit viel Bewegung und konkreten Übungen. Je nach Ausprägung des Lymphödems und Nebendiagnosen können auch modifizierte Behandlungsvarianten (mit höherem oder reduziertem Druck u.a.) zum Einsatz kommen.

Die Kurzzugbinde

Kurzzugbinden sind aus stark überdrehten Baumwollzwirnen, sogenannten Kreppzwirnen (z.B. Rosidal K, Comprilan) angefertigt. Auch gibt es die Kohäsive Kurzzugbinden (z.B. Rosidal Haft, Actico). Die meisten Bindentypen sind in den Breiten 4, 6, 8, 10 und 12 cm verfügbar. Kurzzugbinden haben den grossen Vorteil, dass die Druckspitze beim Gehen hoch, beim Liegen jedoch eher tief ist. Das heisst, dass der Arbeitsdruck hoch und somit effizient ist, während der Ruhedruck beim Liegen als angenehm empfunden wird. Mit fachmännisch angelegten Mehrlagen-Kurzzugsystemen kann am Unterschenkel ein Anpressdruck von 50–60 mmHg im Liegen und 70-80 mmHg im Stehen erreicht werden. Auch wenn etwas zu locker gewickelt wurde, ist dennoch ein Anpressdruck von 30mmHg im Liegen und von über 40 mmHg im Stehen erreichbar. Wichtig zu erwähnen ist, dass der richtige Druck von Patient zu Patient unterschiedlich sein kann. Je nach Alter oder Nebendiagnosen kann nicht immer mit dem grössten Anpressdruck gearbeitet werden. Eine genaue Bestimmung, bevor mit der Kompressionstherapie begonnen wird, ist daher essentiell.

Bandagier-Technik mit Kurzzugbinden

Für das Anlegen eines Kompressionsverbandes werden folgende Materialien benötigt:

  • Hautpflegemittel
  • Schlauchverband-Unterzug
  • Finger- oder Zehen-Binden
  • zugeschnittene Polsterungs-Materialien
  • Polster-Binden aus Watte oder Schaumstoff
  • Kurzzugbinden in verschiedenen Breiten
  • Klebeverband

Ein effektives Mehrlagen-Verbandsystem muss einen hohen Anpressdruck aufbieten, damit sich das Ödem zurückbildet, darf aber die natürliche Bewegungsfreiheit nicht zu weit einschränken und nicht zu Gewebeveränderungen (Druckstellen, Allergien, Empfindungsänderungen) führen. Folgende drei Grundprinzipien sollten daher immer beachtet werden:

  • Hautschutz durch Hautpflege und gutverträglichen Schlauchverband.
  • Verwendung von Polstermaterialien, um Unebenheiten des Gewebes auszugleichen eine gleichmässige Druckverteilung beim Wickeln zu erreichen.
  • Anlegen von Kurzzug-Kompressionsbinden in mehreren Lagen mit einem von distal nach proximal abnehmenden Druckprofil.

Die Kompressionsbinden sind üblicherweise über die gesamte Gliedmasse anzulegen und jeder Teilverband muss über den Schwellungsbereich hinausreichen und das Knie- bzw. Ellbogengelenk miteinbeziehen, um eine Verdrängung von Flüssigkeit in das Gelenk zu verhindern.

Wickel mit Kurzzug-Kompressionsbandagen in Achtertouren

Bild: Wickel mit Kurzzug-Kompressionsbandagen in Achtertouren

Normalerweise werden die Binden in Spiral- oder Achtertouren gewickelt. Es werden mehrere Lagen übereinander so angelegt, dass der Druck von distal nach proximal abnimmt. Laut Studien soll ein Verband in Achtertouren einen 1.5 bis 2-fach höheren Druck erreichen als ein Verband in Spiraltouren. Ein unzureichend abgestuftes Druckprofil kann den venösen und lymphatischen Abfluss einschränken und so den Abtransport von Flüssigkeit mindern, wodurch das Ödem bestehen bleibt oder sich sogar stärker ausprägt. Für eine rundum gleichmässige Druckverteilung und um eine Abschnürung zu vermeiden, sollten Polstermaterialien gezielt eingebaut und die Binden abwechselnd im Uhrzeiger- und Gegenuhrzeigersinn gewickelt werden. Die Kurzzugbandagen dürfen nicht mit der mitgelieferten Klammer befestigt werden, da durch diese Verletzungsgefahr besteht und die Kurzzugbinden beschädigt werden. Es wird empfohlen, den Abschluss jeder angelegten Binde mit Klebeverband zu befestigen.