Lymphödem Vereinigung Schweiz

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Das Lymphödem

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Gesundheitsprophylaxe - Was Sie selbst tun können!

Liebe Patientinnen und Patienten: Sie sind nicht alleine.

Nebst den gut bekannten Therapiemöglichkeiten wie Kompression und Manuelle Lymphdrainage gibt es verschiedenen Varianten, wie jede und jeder selbst täglich aktiv gegen das Ödem vorgehen kann. In dieser Rubrik möchten wir daher verschiedene Aspekte zur Vorbeugung eines Lymphödems beschreiben und aufzeigen, wie eine Verschlechterung vermieden werden kann.

Welche Konsequenzen die Diagnose Lymphödem mit sich bringt, ist im ersten Moment oder auch in der ersten Zeit vielen Betroffenen nicht klar. Ein Lymphödem zu haben, bedeutet, dass gewisse Lebensumstände und/oder Lebensgewohnheiten möglicherweise geändert werden sollten. Zusätzlich können unterstützende Massnahmen unternommen werden, um der Ödembildung entgegen zu wirken. In welchem Ausmass solche Veränderungen und Massnahmen umgesetzt werden, hängt individuell davon ab, wie stark das Lymphödem ausgeprägt ist, an welchen Stellen bereits fibrotisches Gewebe auftritt, welcher Beruf und welche Freizeitaktivitäten ausgeübt werden. Je mehr Grundregeln und unterstützende Massnahmen in den Alltag eingebaut werden können, desto besser ist dies für das Lymphödem und führt nicht zuletzt auch zu einem gesteigerten Wohlbefinden.

Sie sollten Folgendes berücksichtigen:

  • Tragen Sie konsequent Ihre Kompressionsstrümpfe. Die Kompression ist die wichtigste Therapie, um zu verhindern, dass sich noch mehr Lymphflüssigkeit im Gewebe ansammelt und so das Gewebe immer stärker anschwillt. Achten Sie darauf, dass die Kompressionsbestrumpfung zwei- bis dreimal pro Jahr, falls nötig sogar viermal pro Jahr neu angemessen wird.

  • Besuchen Sie – je nach Therapieschema – in regelmässigen Abständen die Manuelle Lymphdrainage oder planen Sie gezielte Intensivphasen von 1-3 Wochen ein, in welchen Sie sich konkret auf die Behandlung Ihres Lymphödems konzentrieren. Die MLD kann mit Bandagierung für einen besseren Therapieeffekt kombiniert werden. In der Rubrik Kompressionstherapie finden Sie weitere Ausführungen zu diesem Thema.

  • Vermeiden Sie zu langes Sitzen oder Stehen, da sich durch Schwerkraft und fehlende Muskelbewegungen das Ödem verschlechtern kann. Legen Sie regelmässige Pausen ein und laufen Sie ein paar Schritte oder steigen Sie Treppen. Oft kann dies sogleich mit einer anderen nützlichen Tätigkeit verbunden werden, zum Beispiel eine Kleinigkeit einkaufen gehen oder im Keller die Wäsche waschen.

    • Falls Sie dennoch lange sitzen, versuchen Sie zwischendurch immer wieder, den Fuss und auch die Zehen aktiv zu strecken und zu beugen. Auch Scheibenwischerbewegungen helfen, dass die Lymphe dank den Muskelbewegungen stärker zurück transportiert wird. Falls möglich, lagern Sie das betroffene Bein hoch.

    • Wenn Sie lange Zeit stehen, können Sie ebenfalls versuchen, den Rücktransport der Lymphe etwas zu fördern. Wenn es die Schuhe zulassen, bewegen Sie Ihre Zehen (Strecken, Beugen, Spreizen) in regelmässigen Abständen. Durch Wippen können Sie Ihr Gewicht von der Ferse auf die Zehen und wieder zur Ferse verlagern und somit verschiedene Muskeln aktivieren.

  • Bleiben Sie in Bewegung.

    • Versuchen Sie täglich, 10 000 Schritte zu laufen oder sich anderweitig zu bewegen. Natürlich helfen viele Aktivitäten, den Kreislauf in Schwung zu bringen und damit auch den Lymphabfluss zu fördern. Wichtig ist, dass Sie dabei auch Spass haben!

    • Eine Gelenkschonende Alternative stellt beispielsweise Radfahren dar. Heute gibt es auch die Möglichkeit, mit einem E-Velo oder einem E-Mountainbike, welche immer preiswerter werden, weitere Strecken und auch Höhenmeter problemlos zu schaffen, ohne dass dabei die Extremität mit dem Lymphödem überlastet wird. Dies ermöglicht, mit einem Partner/einer Partnerin oder auch in einer Gruppe mitzufahren, ohne frühzeitig abbrechen zu müssen.

    • Auch Schwimmen in mässig temperiertem Wasser kann dem Ödem entgegenwirken. Beim Schwimmen wirken mehrere Mechanismen auf die angestaute Lymphe: Durch Bewegung unter Wasser wird die Muskelpumpe aktiviert und das Gewebe leicht massiert. Zusätzlich wirkt der Wasserdruck wie ein Kompressionsstrumpf auf das Gewebe. Um den Effekt zu verstärken, gibt es die Möglichkeit, mit einem alten Kompressionsstrumpf schwimmen zu gehen, sofern man sich dies zutraut und es in der Badeanstalt erlaubt ist.

    • Versuchen Sie, mit gezielten Übungen das Lymphsystem und den Lymphabfluss anzuregen.

    • Sie können mit Armen und Beinen Luftfahrrad-Übungen machen

    • Durch Wippen mit den Füssen kann das Gewicht gezielt verlagert und die Muskelpumpe aktiviert werden.

    • Ein Kreisen mit den Schultern oder den ganzen Armen aktiviert den Lymphabfluss in den Armen.

    • Zehen- und Fingerbewegungen (Strecken, Beugen, Spreizen und Scheibenwischerbewegungen) aktivieren tiefliegende Muskelgruppen und fördern somit den Abfluss über tiefere Lymphbahnen.

  • Denken Sie immer daran, dass Überanstrengung und Verletzungen aller Art an der betroffenen Gliedmasse verhindert werden sollten.

    • Eine Überanstrengung belastet das ohnehin schon ungenügende Lymphsystem zusätzlich. Gönnen Sie sich daher auch genügend Ruhe und Erholungszeiten zwischendurch oder nach dem Sport.

    • Auch enorme Hitze und Kälte sollten wenn möglich vermieden werden. Bei Hitze wie beispielsweise in der Sauna oder im Thermalbad dehnen sich Blutgefässe aus, wodurch sich das Ödem unter Umständen verstärken könnte.

    • Vermeiden Sie Sonnenbrand, Mückenstiche, Sportverletzungen, Blasen, Wunden aller Art, sowie auch Akupunktur, Blutentnahmen, Blutzucker- und Blutdruckmessungen an der betroffenen Extremität. Solche Einwirkungen belasten das ungenügende Lymphsystem zusätzlich und können unter Umständen zu einer Verschlechterung führen.

    • Falls Verletzungen auftreten, reinigen Sie die Wunde säuberlich mit Wasser und desinfizieren Sie sie. Wichtig ist, dass Sie die Stelle falls nötig markieren und gut beobachten: Falls sich die Heilung verzögert oder falls gar eine ausgedehnte Rötung (mit Fieber) entsteht, konsultieren Sie Ihren Arzt/Ihre Ärztin. Bei Extremitäten mit Lymphödem kann es nach Verletzungen nicht selten zu Erysipelen, auch Wundrosen genannt, kommen. Ein Erysipel ist eine Infektion der oberen Hautschichten und Lymphgefässe mit Bakterien. Bei kleinsten Verletzungen können Bakterien, die sich normalerweise auf der Hautoberfläche befinden, in die Haut eindringen. Weil aber der Lymphtransport ungenügend ist, ist auch die Abwehr ungenügend und die Bakterien können in der Haut zu einer Entzündung führen. Diese zeigt sich durch eine scharf begrenzte, starke Rötung. In diesem Fall wird Ihnen Antibiotika verschrieben. Nehmen Sie das Antibiotika so lange ein, wie es angegeben ist. Sonst überleben möglicherweise ein paar wenige Bakterien, welche sich dann erneut vermehren und zu einer Entzündung führen können.

  • Wenn Sie Ferien in fernen Ländern planen oder auf weite Reisen gehen, denken Sie unbedingt auch an Ihr Lymphödem.

    • Erkundigen Sie sich beim Arzt/bei der Ärztin, welche Impfungen Sie möglicherweise durchführen sollten und welche Vorsichtsmassnahmen Sie ergreifen müssen. An der Universität Zürich gibt es beispielsweise ein Zentrum für Reisemedizin, an welches man sich wenden kann (https://www.ebpi.uzh.ch/de/services/travelclinic.html).

    • Falls Sie in Länder reisen, in welchen Sie möglicherweise nicht an jeder Ecke eine medizinische Institution vorfinden oder in welchen die Kommunikation bei Gesundheitsproblemen schwierig werden könnte, ist es wichtig, dass sie sich selbst weiterhelfen können. Klären Sie mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin ab, ob Sie in einem Notfall (auf eine Privatnummer) anrufen dürfen. Nehmen Sie auch die wichtigsten Medikamente mit. Dazu gehört wie oben bereits erwähnt ein Antibiotikum, welches Sie im Falle eines Erysipels einnehmen können. Besprechen Sie dies eingehend mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin.

  • Tragen Sie keine einengende Kleidung. Jegliche Kleidungsstücke, die zu eng sind und abschnüren, verhindern den Rückfluss der Lymphe und sollten daher gemieden werden.

  • Verfolgen Sie einen ausgewogenen Lebensstil. Achten Sie auf ausgewogene Ernährung und genügend Flüssigkeitszufuhr und verhindern Sie eine Gewichtszunahme. Gönnen Sie sich genügend Ruhe und Erholungszeiten und lagern Sie die betroffene Extremität hoch, wenn Sie können. Bleiben Sie aktiv, lebensfreudig, selbstbewusst und neugierig.