LV-Schweiz: Das Lymphsystem - Grundlagen und Funktionsweise

Das Lymphgefässsystem

Zu medizinischen Grundlagen

Der Blutkreislauf

Das sauerstoff- und nährstoffreiche Blut wird von der linken Herzkammer in den Körper gepumpt. Die Arterien, welche das Blut transportieren, verzweigen sich in immer kleinere Gefässe bis hin zu den Bluthaargefässen (Kapillaren). Dort erfolgt einerseits die Abgabe von Sauerstoff und Nährstoffen vom Blut ins Gewebe. Andererseits werden Kohlendioxid und Stoffwechselprodukte (Abfallstoffe) aus dem Gewebe zurück ins Blut aufgenommen. Eiweisskörperchen und auch etwas wässrige Flüssigkeit bleiben jedoch zu einem gewissen Teil im Gewebe zurück. Über die Venen wird das Blut zurück zur rechten Herzkammer gebracht. Die rechte Herzkammer befördert das Blut in die Lungen, wo es Kohlendioxid abgeben kann und wieder mit Sauerstoff angereichert wird. Anschliessend gelangt es zurück in die linke Herzkammer.

Der Blutkreislauf

Das Lymphgefässsystem

Im Gegensatz zum Blutgefässsystem bildet das Lymphgefässsystem keinen Kreislauf. Die feinen Lymphgefässe beginnen mit „einem blinden Anfang“ im Gewebe und haben die Aufgabe, das überflüssige Gewebewasser, Eiweisse und Infektionserreger aufzunehmen. Diese „Lymphe“ wird dann in immer grössere Lymphgefässe transportiert und gelangt zu den Lymphknoten. Nach den Lymphknoten vereinigen sich die Lymphgefässe zu Lymphsammelstämmen, die in der Nähe des Herzens in die grossen Venen münden.
Der Transport in den Lymphgefässen erfolgt auf zwei Arten, nämlich aktiv und passiv. Beim aktiven Transport wird die Lymphe durch feine Muskelkontraktionen der Gefässwände weitergeleitet. Eine viel grössere Rolle spielt jedoch der passive Transport. Durch Anspannung der Skelettmuskeln werden die Lymphgefässe zusammengepresst und die Lymphflüssigkeit wird weiterbefördert. Dank feinen Klappen kann die Lymphe nur in eine Richtung, nämlich in Richtung Herzen fliessen.

Das Lymphsystem (Lymphgefässsystem)

Die Lymphknoten

In den Verlauf der Lymphbahnen sind vor allem am Hals, in den Achselhöhlen, im Bauch, in den Leisten und in den Kniekehlen Lymphknoten zwischengeschaltet. Sie spielen eine enorm wichtige Rolle im Immunsystem: Infektionserreger oder auch Krebszellen gelangen via Lymphgefässe zu den Lymphknoten und werden dort herausgefiltert. Es werden spezifische Abwehrzellen (Lymphozyten) gebildet, welche mit der «gesäuberten» Lymphe ins Blut gelangen und gegen Erreger oder Krebszellen ankämpfen.

Von der Lymphe zum Lymphödem

Blutkapillaren haben die Aufgabe des Stoffaustauschs und sind daher für Wasser und kleinste im Wasser gelöste Teilchen (Zucker) durchlässig. Trotzdem gelingt es auch einigen Eiweisskörpern, vom Blut ins Gewebe zu gelangen und dort liegen zu bleiben.

Weil Eiweisskörper die Fähigkeit haben, Wasser an sich zu binden, haben sie eine Art „Sogwirkung“. Dies ist der Grund, warum das Wasser aus dem Gewebe wieder in Kapillaren zurückfliesst, wo sich die meisten Eiweisse befinden. Je mehr Eiweisskörper aber ins Gewebe gelangen und dort verbleiben, desto weniger Wasser wird in die Kapillaren zurück resorbiert. Das Wasser sammelt sich zusammen mit den Eiweissen im Gewebe an.

Das angesammelte Wasser wird nun zusammen mit den Eiweissbestandteilen von Lymphgefässen aufgenommen und als Lymphe abtransportiert, um diesen unerwünschten Effekt wieder aufzuheben. Die Lymphe ist also nichts anderes als Gewebeflüssigkeit mit Eiweisskörperchen. Da das Lymphgefässsystem aber auch für die Körperabwehr zuständig ist, enthält die Lymphe auch Abwehrzellen und nimmt Krankheitserreger auf. In der Nähe des Darms absorbieren die Lymphgefässe auch grosse Fetttröpfchen, welche von den Blutkapillaren nicht aufgenommen werden können. Pro Tag werden etwa 2-4 Liter Lymphflüssigkeit von den Lymphgefässen aufgenommen und abtransportiert. Ist dieser Lymphabfluss ungenügend, sammelt sich im betreffenden Körperteil immer mehr Gewebewasser und Eiweiss an. Es kommt zum Lymphödem.